Resilienz aufbauen durch Selbstverantwortung

|Ein Beitrag von Stefanie Diehl

Ein wichtiger Schlüssel zur Resilienz ist die Übernahme von Selbstverantwortung. Es hilft nichts abzuwarten, bis andere sich ändern (z. B. der Chef, der Kollege oder das Unternehmen). Man muss selbst aktiv werden. Resiliente Menschen verlassen die Opferrolle und machen lieber einen kleinen ersten Schritt in Richtung Veränderung, als gar nichts zu tun und passiv zu bleiben. Das Erleben von Selbstwirksamkeit setzt daher einen gewissen Mut und Tatkraft voraus.
Resilienz-Zirkel-Training (RZT) Selbstverantwortung

Zeigen Sie Entschlossenheit und Willenskraft

Hilfreiche Fragestellungen, deren Beantwortung zu einem Mehr an Selbstverantwortung führen kann, sind z. B.:

  • Was bräuchte ich, um mich hier und jetzt unabhängiger von den Entscheidungen anderer zu machen?
  • Welche Entscheidung muss ich selbst als nächstes treffen, um wieder handlungsfähig zu werden?
  • Stecke ich noch in einer Opferrolle fest? Fällt es mir schwer, einen eigenen Standpunkt zu vertreten und mich durchzusetzen?
  • Welchen indirekten Vorteil habe ich vielleicht dadurch, dass ich passiv bleibe? Welchen Vorteil hätte ich, wenn ich stattdessen bereit bin, die Verantwortung für den nächsten Schritt zu übernehmen?

Kluge Entscheidungen brauchen gute Gefühle

Die Übernahme von Selbstverantwortung spiegelt sich vor allem darin wieder, wie wir Entscheidungen treffen. Im Beruf wie im Privaten treffen wir ständig Entscheidungen. Man könnte sogar sagen: Man kann sich nicht nicht entscheiden. Entscheiden Sie sich nicht, so ist es auch eine Entscheidung. In manchen Situationen, z.B. im Beruf, ist es dann jedoch so, dass wir uns selbst nicht entscheiden können und dann für uns entschieden wird.

Wir entscheiden uns auch häufig auf die Schnelle und haben danach ein ungutes Gefühl. Dann fühlen wir uns in der Opferposition und haben unser Wirken nicht mehr selbst aktiv in der Hand. Wir fühlen uns unsicher, zu langsam und einfach nicht mehr Herr oder Frau der Lage. Wie kommen wir wieder zurück zu mehr Selbstverantwortung? Wie können wir kluge Entscheidungen treffen?

Achten Sie auf Ihre somatische Marker

Gute Entscheidungen sind die, die den Menschen zufrieden machen – und sie werden durch einen positiven somatischen Marker angezeigt. Der Neurowissenschaftler Antonio Domasio erforschte somatische Marker als zuverlässiges Navigationssystem für eine gute Entscheidungsgrundlage im Alltag. Unser Körper schickt uns also somatische Marker in Form von Körpersignalen und Gefühlen, die uns als Entscheidungshilfe oder Entscheidungsparameter dienen.

Somatische Marker steuern unser Vermeidungs- oder Annäherungsverhalten. Sie signalisieren uns, ob wir auf etwas zugehen oder etwas vermeiden wollen. Negative somatische Marker sind als Alarmsignal zu verstehen. Haben wir positive Körpersignale oder -gefühle, so können wir uns mit Selbstsicherheit für etwas entscheiden.

Die Eigenwahrnehmung stärken

Wichtige Voraussetzung für gute Entscheidungen mit Selbstsicherheit ist die eigene Wahrnehmung, also die äußere und innere Körperwahrnehmung der somatischen Marker. Dies ist sehr individuell. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich mit Ihrem eigenen Signalsystem auskennen und wissen, wie Sie es richtig interpretieren können. Gerade in unserer Zeit, wo die Außenwelt wenig verlässliche Werte und Entscheidungshilfen bietet, benötigen wir also eine Selbstkompetenz, die uns hilft zu entscheiden, was gut für uns ist.

Die Psychologin Dr. Maja Storch von der Universität in Zürich hat sich mit dem Thema “kluge Entscheidungen” beschäftigt. Sie beschreibt, dass das menschliche Gehirn nicht nur Fakten, sondern auch Emotionen verarbeitet, die eine Veränderung in Körperausdruck und Mimik hervorrufen. Darüber hinaus treffen wir Entscheidungen aufgrund von Vorgängen im Bewusstsein und ganz entscheidend auch aufgrund von Prozessen im Unterbewusstsein.

Die Kraft des Unbewussten nutzen

Im Unbewussten arbeitet für uns das emotionale Erfahrungsgedächtnis, das Erlebnisse in Form von Gefühlen und Körperempfindungen bereits vor unserer Geburt speichert. Es enthält unsere gesamte Lebenserfahrung und damit Wissen von unschätzbarem Wert. Es funktioniert blitzschnell, während unsere Denkprozesse aus dem Verstand heraus nur langsam funktionieren und bei zu viel Information schnell überfordert sind. Der Verstand arbeitet sehr präzise und analytisch, dafür langsam – unser Erfahrungswissen schnell, dafür diffus.

Beide Entscheidungssysteme haben Stärken und Schwächen, die sich wunderbar ergänzen. Kluge Entscheidungen können Sie also fällen, wenn Sie beide Entscheidungssysteme, bewusste Verstandstätigkeit und emotionales Erfahrungsgedächtnis, gekonnt situationsbedingt kombinieren und koordinieren. Laut Dr. Maja Storch laufen diese Prozesse wie folgt ab: Zunächst gelangt ein Wunsch oder ein Bedürfnis aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein. Dann werden mit Hilfe des Verstandes Analysen vorgenommen, pro und contra gegeneinander gestellt, was jedoch nicht zur Entscheidung führt. Erst mit einem “Los”-Signal aus dem Unterbewussten, dem emotionalen Erfahrungsgedächtnis, wird der Impuls zum Handeln gegeben.

In drei Schritten zur guten Entscheidung

Positive somatische Marker sind also unser Hinweis darauf, was gut für uns ist. Um kluge Entscheidungen für unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit zu treffen, benötigen wir Zugriff auf unseren Wissensspeicher. Dieser sagt uns, was gut für uns ist. Nur so können wir die richtigen Entscheidungen treffen, die uns in Richtung konkrete eigene Ziele führen.

Nr. 1

Lernen Sie Ihre positiven somatischen Marker kennen!

Ihre Aufgabe besteht darin, zu erforschen, wie sich Ihre positiven somatischen Marker bei Ihnen persönlich zeigen. Bei manchen Menschen treten sie einfach als Körperempfinden, wie z.B. als angenehmes Gefühl im Bauch, auf. Andere nehmen sie als positive Emotion wahr, z.B. als wunderbares Freiheitsgefühl in der Brust. Auch im Kopf können sich somatische Marker zeigen, z.B. als klares oder helles Bild.

Manche Menschen spüren Sie am ganzen Körper, wie ein Kribbeln oder ähnliches. Wieder andere haben ganz feine Signale. Was sind Ihre positiven somatischen Marker? Nehmen Sie sich immer dann ein wenig Zeit, wenn Sie eine Entscheidung treffen oder getroffen haben und schauen Sie, was Ihr Körper Ihnen verrät. Notieren Sie sich in einem kleinen Büchlein welche somatischen Marker Sie wahrnehmen und übern Sie mit deren Hilfe Entscheidungen zu treffen.

Nr. 2

Nehmen Sie auch die negativen somatischen Marker wahr!

Auch negative somatische Marker geben Hinweise auf das Wissen Ihres emotionalen Erfahrungsgedächtnisses. Negative somatische Marker lassen sich z.B. identifizieren als:

  • Ein Zittern in den Beinen, insgesamt ein instabiles Gefühl,
  • ein Gefühl von Ohnmacht, ein schlechtes Gefühl im Bauch,
  • Engegefühl in der Brust,
  • Druck im Nacken, Gefühl von einer großen Last, etc.

Nehmen Sie Ihre negativen somatischen Marker wahr und notieren Sie sich, wie sie sich bei Ihnen zeigen. Lassen Sie sich Zeit, sich mit Ihren somatischen Markern vertraut zu machen. Negative somatische Marker sind uns meist vertrauter als positive.

Nr. 3

Kluge Entscheidungen treffen!

Um kluge Entscheidungen zu treffen benötigen Sie ein psychisches Wohlbefinden, das entsteht, wenn die Bewertung aus emotionalem Erfahrungsgedächtnis (unbewusst) und die Analyse des Verstandes (bewusst) in gleicher Weise ausfallen. Ist dies von vornherein gegeben, dann können Sie mit Selbstsicherheit eine kluge Entscheidung treffen. Gibt es eine unterschiedliche Bewertung, lassen Sie Verstand und Emotionen in einen Dialog treten und sich über die jeweilige Meinung austauschen.

Entscheidungsfindung will geübt sein

Manchmal sind es mehrere Runden, die beide brauchen, um zu einer guten Entscheidung zu kommen. Vielleicht benötigt der Verstand eine andere Formulierung oder eine Umdeutung, um sich genauso wie die Emotion zu entscheiden. Oder vielleicht fehlt der Emotion eine entsprechende Referenzerfahrung, um sich genauso wie der Verstand zu entscheiden. Ich wünsche Ihnen resiliente Entscheidungen in Einklang mit Herz und Verstand!

Stefanie-Diehl

Stefanie Diehl

Die Voraussetzungen für kluge Entscheidungen habe ich schon früh gelernt. Mein Eltern waren diesbezüglich gute Vorbilder, eine Hälfte sehr am Verstand orientiert und die andere Hälfte sehr emotionsbezogen. So dass ich in meiner Entwicklung lernen konnte, beides zu vereinen und meine Selbstverantwortung zu leben. Das klingt einfacher als es ist. Auch ich glaubte in der Vergangenheit daran, dass der Verstand die Führung übernimmt und die emotionale Ebene nur „stört”. Zwischenzeitlich habe ich gelernt, meine Körpersignale und meine Gefühle für mich hilfreich einzusetzen. Dafür bin ich dankbar. Ich freue mich auf Ihr Feedback und wünsche Ihnen viele kluge und resiliente Entscheidungen!

diehl@resilienzforum.com

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