Sorgen Sie für Erfolgsmeldungen

| Ein Beitrag von Ulla Catarina Lichter

Nach dem Motto „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer“, zeigen jene Menschen im Umgang mit Belastungen mehr Widerstandskraft, die in ihrem Leben gelernt haben, eine optimistische Grundhaltung gegenüber Veränderungen zu entwickeln. Hierzu gehört auch, dass sie sich ihrer Fähigkeiten, Kompetenzen und Stärken bewusst sind.

Ein wichtiges Führungsinstrument zur Bewusstwerdung von Stärken ist Feedback. Resiliente Menschen können auch in Krisenzeiten mit einem gewissen Abstand auf die Gesamtsituation blicken und erkennen, was – trotz aller Probleme – gerade gut, richtig und vorteilhaft für sie verläuft. Sie können ihre Energie und Aufmerksamkeit auf die positiven Ausnahmen richten, Chancen und Möglichkeiten erkennen.

Führung durch Feedback will gelernt sein

Kennen Sie das? Sie haben erfolgreich im Kollegenkreis Ihr neues Projekt vorgestellt, das Feedback ist durchweg positiv. Allerdings äußert Ihr Chef eine klitzekleine Kritik: Sie hätten mehr auf Punkt X eingehen, noch Y erwähnen oder Frau Z zu dem Meeting einladen sollen. Durch die unbedachte Kritik verpufft das schöne Gefühl der Anerkennung augenblicklich. Von nun an kreisen Ihre Gedanken um die negative Kritik und darum, wie sie was hätten besser machen können. Der Neuropsychologe Dr. Rick Hanson beschreibt das Phänomen mit einer schönen Metapher:

Negative Erfahrungen, wie Kritik, schmerzhafte Erlebnisse oder Hilflosigkeit,  haften wie Klett an unseren Gedanken. Positive Erlebnisse hingegen – wie Lob, Zustimmung und Anerkennung – gleiten wie auf Teflon aus unserem Bewusstsein. (Dr. Rick Hanson)

Negativen Erfahrungen bekommen mehr Aufmerksamkeit

Evolutionstechnisch neigt unser Gehirn dazu, positiven Ereignissen nicht die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken wie negativen. Negative Signale werden leichter wahrgenommen, damit wir zuerst eine potentielle Gefahr beseitigen und uns in Sicherheit bringen, um dann Zeit für die Kopfarbeit zu haben.

Dass uns wütende Stimmfärbungen eher auffallen und sich zornige Gesichter eher einprägen als fröhliche, hat unser Überleben gesichert. Unangenehme Erfahrungen, wie Angst und Stress, werden sofort als solche abgespeichert. Im Gehirn verbinden sich Neuronen, die gleichzeitig aktiv sind, und bilden eine neue Struktur. Für die negative Erfahrung wird ein Reaktionsmuster angelegt, das uns dabei hilft, diese unangenehme Situation oder Gefahren zukünftig zu vermeiden.

Angenehme Momente hingegen hinterlassen nicht so leicht Spuren im Gehirn: Eine positive Erfahrung wird erst dann langfristig abgespeichert, wenn sie auch intensiv empfunden oder häufig erinnert wird. Um einen Ausgleich in unserer täglichen  Wahrnehmung zu schaffen, raten Forscher daher, die Achtsamkeit immer wieder auf positive und angenehme Erlebnisse zu lenken. Dies kann für sehr selbstkritische Menschen eine echte Lernaufgabe sein. Optimisten haben es da von Natur aus etwas leichter.

Resilienz-Zirkel-Training (RZT) Optimismus

Führungsinstrument Gehirn

Die gute Nachricht ist: Das Gehirn wird ein Leben lang von dem verändert, was unser Bewusstsein und unsere Erinnerungen durchströmt. Das nennen die Forscher „erfahrungsabhängige Neuroplastizität“.  Plakativ ausgedrückt heißt das: Durchströmt Angst Ihr Bewusstsein, bilden sich im Gehirn Strukturen, die Sie offener für Angst-erfahrungen machen.

Lenken Sie hingegen Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf die positiven Geschehnisse und Ihre Stärken, und erleben Sie diese mit all Ihren Sinnen, bildet Ihr Gehirn ein stärkeres positives, neuronales Muster. Dieses öffnet Sie für mehr positive Erfahrungen und macht Sie insgesamt widerstandsfähiger im Umgang mit Stress und Krisen.

In drei Schritten zu mehr Optimismus

Erfolgserlebnisse zu sammeln, den eigenen und den Optimismus Ihrer Mitarbeiter zu stärken geht ganz einfach. Arbeiten Sie mit einem kleinen Snack. Zum Beispiel mit Walnüssen – diese sehen nicht nur ein wenig aus wie ein Gehirn, sie sind ebenfalls bekannt als Gehirnnahrung, und stets ein gesunder Snack – besonders, wenn Sie mit ihnen ab heute Ihren Optimismus fördern.

Nr. 1

Sammeln Sie resiliente Momente!

Wenn Sie sich über einen Erfolg Ihres Teams freuen, wenn etwas besonders gut gelungen ist, wenn Sie selbst einem Mitarbeiter zu etwas motivieren konnten, wann immer Sie zufrieden mit sich und der Arbeits Ihres Teams sind, dann lassen Sie eine Walnuss (oder ein anderes Sympol ihrer Wahl) in Ihre Tasche gleiten. Oder legen Sie das Symbol in eine Schale auf Ihren Schreibtisch, oder schreiben Sie sich selbst eine kurze elektronische Nachricht.

Ein Tipp aus den Neurowissenschaften: Wenn Sie Ihren Optimismus langfristig fördern möchten, dann sammeln Sie von nun an für jede schlechte Erfahrung des Tages zum Ausgleich mindestens drei positive Erfahrungen. Erst dann stellt sich bei Ihnen das Gefühl ein, dass negative Erlebnisse und Problemsituation in Ihrem Arbeitsalltag nicht überwiegen.

Nr. 2

Die schönen Momente ein zweites Mal genießen

Führen Sie zum Abschluss des Arbeitstages ein kleines Ritual durch: Holen Sie die gesammelten Nüsse hervor und vergegenwärtigen Sie sich noch einmal die wunderbaren Momente, die Sie heute erleben durften. Schließen Sie die Augen und nehmen Sie noch einmal wahr, was Sie Schönes gesehen, gehört und gespürt haben. Kosten Sie diesen Augenblick noch einmal in vollen Zügen aus. Wenn Sie möchten, knacken Sie dabei die Walnüsse und verspeisen Sie sie genüsslich! Ihr Gehirn wird nun dazu eingeladen, sich die Erfahrungen mit allen Sinnen zu merken.

Wenn Sie die Übung im Team machen – rekapitulieren Sie noch einmal die Erfolgsmeldungen des Tages. Schauen Sie gemeinsam auf positive Erkebnisse zu rück.

Nr. 3

Die neuen Erfolgsbahnen im Gehirn festigen

Legen Sie sich für sich oder gemeinsam mit Ihrem Team ein Resilienz-Logbuch an. Notieren Sie jeden Tag die drei efolgreichsten Momente des Tages, an die Sie sich auch später noch erinnern möchten. So bringen Sie Ihre positiven Erlebnisse vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis.

Halten Sie dieses Ritual ein paar Monate durch – am besten gewöhnen Sie sich für immer daran. Sie werden sehen, wie Ihre Produktivität steigt und wie Sie den Optimismus in gesamten Team langfristig anheben. Nach einigen Wochen wird Sie Ihnen in Fleisch und Blut übergehen.

Geben Sie drei Mal positives Feedback für ein Negatives

Erinnern Sie sich immer wieder an die Grundregel und füllen Sie Ihre Erinnerungen im Verhältnis 1 zu 3: Für jede unangenehme Erfahrung des Tages, die am Ende des Arbeitstages in Ihnen aufblitzt, erinnern Sie sich umgehend an drei schöne resiliente Momente!

Und für alle die keine Walnüsse mögen gibt es unzählige Sammelvariationen. Sammeln Sie Schokoriegel, Mandarinen, Rosinen, Kekse, Gutscheine … Ich bin mehr als optimistisch, dass Ihnen das Passende einfallen wird!

Ulla Catarina-Lichter_ResilienzForum

Ulla Catarina Lichter

Optimismus habe ich schon mit der Muttermilch eingesogen, durch meine Kindheit begleitete mich stets der dritte Artikel des kölschen Grundgesetzes: Et hätt noch immer jod jejange. Und tatsächlich ist es so, dass wenn mir irgendetwas den Boden unter den Füßen wegzieht, ich ganz tief innen das Gefühl habe, dass egal, was da gerade auf mich zukommt, ich gestärkt hinten wieder rauskomme. Dafür bin ich dankbar. Wie hat Ihnen der Tipp geholfen? Ich freue mich über Ihr Feedback und  wünsche Ihnen eine produktive Arbeitszeit!

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