Wie sie erfolgreiche Beziehungen führen

|Ein Beitrag von Stefanie Diehl

 

Die Inanspruchnahme und das Anbieten von Hilfe sowie die Pflege von Netzwerken und Beziehungen sind für resiliente Menschen von entscheidender Bedeutung. Fürsorge und gegenseitige Wertschätzung besitzen bei der Resilienzförderung einen hohen Stellenwert. Nach dem Motto: „Walk what you talk!“, sind sich Führungskräfte und Mitarbeiter viel zu selten ihrer eigenen Vorbildfunktion bewusst. Sie erwarten nichts von anderen, was sie selbst nicht leisten können oder wollen.

Authentische Beziehungen aufbauen will gelernt sein

Oft verlieren wir über den Alltagsstress das Gefühl für die Beziehungen zu unseren Kollegen und Mitarbeitern. Dafür gibt es viele gute Gründe: Jahresabschluss, Projekte, Mitarbeitergespräche, offene Posten, etc. haben wir oft keinen Zugang zu unseren Ressourcen und Fertigkeiten. Wir verlieren einfach den Blick dafür, weil wir ja fertig werden müssen.

Auch die Fähigkeiten und positiven Eigenschaften der Kollegen und Kolleginnen oder der Chefs oder auch der Dienstleister oder anderer erkennen wir nicht (mehr). Der Fokus liegt mehr beider Frage, ob alles und jeder funktioniert und nicht bei der Frage: Wer braucht eigentlich was um gut arbeiten zu können? Die Wertschätzung für uns und andere kommt einfach zu kurz.

Resilienz-Zirkel-Training (RZT) Beziehungsgestaltung

Als Führungskraft eine Vorbildfunktion einnehmen

Wichtige Fragen für mehr Wertschätzung in der Teamarbeit können sein

  • Wen im Team schätze ich besonders und für welche Leistungen?
  • Bei welchen Gelgenheiten könnte ich meine Wertschätzung zeigen?
  • Wie kann ich meine Wertschätzung offen und deutlich mitteilen?
  • Wie erfahre ich als Führungskräft Wertschätzung von meinen Mitarbeitern?

Sorgen Sie für die tägliche Dopamin-Ausschüttung

Dopamin ist im Volksmund als Glückshormon bekannt. Es ist ein wichtiger Neurotransmitter, der Signale zwischen Neuronen weiterleitet und somit geistige und emotionale Reaktionen anregt. Ist zu wenig Dopamin im Blut kann es sogar zu einer gebeugten Körperhaltung kommen. Körper, Geist und Seele sind nicht mehr in einem guten Zustand. Wir Menschen haben mehr als hundert Milliarden Nervenzellen.

Im verdickten Endbereich der Nervenzellen, den Synapsen, sorgt die Ausschüttung chemischer Substanzen wie Dopamin dafür, dass andere Nervenzellen angeregt werden. So wird ein Signal von Zelle zu Zelle weitergeleitet und am Ende der Signalkette entstehen positive Gefühle, die Glücksgefühle. Diese sorgen auch dafür, dass der Stress sinkt.

In drei Schritten zu mehr Optimismus im Arbeitsalltag

Um die Dopamin-Ausschüttung anzuregen, helfen Komplimente und wertschätzende Worte.

 

Nr. 1

Dopamin für jeden Tag – Verschenken Sie ernstgemeinte Komplimente!

Schauen Sie sich einmal in Ihrer Umgebung um, im Job oder auch im Privaten. Wem könnten Sie mal wieder ein Kompliment machen? Der netten Kollegin am Empfang, die Sie immer freundlich anlächelt, wenn Sie zur Tür herein kommen. Vielleicht auch Ihrem Chef oder dem Dienstleister auf die Sie sich immer verlassen können. Nichts ist selbstverständlich. Öffnen Sie sich einfach für die kleinen Dinge, die es wert sind, wertgeschätzt zu werden.

Achtung: Wichtig ist, dass Sie die Komplimente auch wirklich ernst meinen. Ein halbherziges Kompliment kann leicht das Gegenteil bewirken. Also machen Sie Ihr Herz weit auf für die Menschen in Ihrem Umfeld. Vielleicht wirkt der Optimismus, den Sie in die Welt schicken sogar auf Sie zurück. Denn sogar der bekannte Naturwissenschaftler Sir Isaac Newton beschrieb in seinem dritten Newtonschen Gesetz bereits die Wechselwirkung von Aktion und Reaktion: Was wir in die Welt senden, kommt in ähnlicher Form wieder zu uns zurück.

Nr. 2

Stellen Sie sich den Komplimente-Wecker!

Um dieser Übung aus Tipp 1 ein bisschen Tempo, Raffinesse oder auch eine kleine Herausforderung zu geben, stellen Sie sich Ihren Komplimente-Wecker. Stellen Sie in Ihrem Mobiltelefon oder Ihrem Outlook-Kalender einfach einen kleinen Wecker, der sie alle 15 min. (oder eine für Sie sinnvolle Zeiteinheit) daran erinnert, ein ehrlich gemeintes Kompliment zu machen. Sie werden sehen, dass es Ihnen immer leichter fällt.

Denken Sie beim Komplimente-geben auch an sich selbst und eine positive Selbsteinschätzung. Wechseln Sie Ihren Komplimente-Wecker einfach ab: Ein Kompliment für einen Kollegen oder eine Kollegin und das nächste Kompliment für Sie. Sich selbst wertzuschätzen ist eine wichtige Fähigkeit zur Förderung der persönlichen Resilienz.

Nr. 3

Nehmen Sie wahr, wie auch andere Sie wertschätzen!

Falls Sie bisher nicht geschafft haben, die Komplimente und Wertschätzungssignale der anderen Personen in Ihrer Umgebung wahrzunehmen, lade ich Sie ein, Ihren Blick auch dafür zu öffnen. Wo könnten positive Reaktionen auf Ihre Person, Ihre Arbeit, Ihre Anwesenheit sein, die Sie vielleicht bisher gar nicht gesehen haben?

Manchmal sind sie nicht ausgesprochen oder gleich auf den ersten Blick zu erkennen. Wo gibt es ein Lächeln, ein Gefühl von Verlässlichkeit und Vertrauen, wo gibt es Unterstützung oder einfach ein „Raum lassen“, etwas das nicht selbstverständlich ist? Vielleicht gibt es auch ganz andere Wege, wie sich das Kompliment oder die Wertschätzung zeigt. Lassen Sie sich überraschen…

Fragen sind das schönste Kompliment

Und wenn Ihnen Kompliment noch zu hoch gegriffen scheinen – dann beginnen Sie damit Ihren Mitarbeitern täglich Fragen zu stellen. Darüber, womit sie sich gerade beschäftigen, darüber, was gerade gut läuft, welche Fortschritte sie sehen und was sie sich an Verbesserungen selbst wünschen.

Fragen sind die elegantesten Komplimente, sie können immer sachlich und vor allem fachlich bleiben und geben dennoch die so wichtige Aufmerksamkeit, die zu einer Dopaminausschüttung erforderlich ist. Probieren Sie es einfach aus – Sie werden sehen es wirkt!

 

Stefanie Diehl

Stefanie Diehl

Für mich hat sich das naturwissenschaftliche Wechselwirkungsprinzip ganz besonders offenbart, seit dem ich mich mit Resilienz beschäftige. Seit dem ich mir meiner Resilienz immer bewusster werde, kann ich auch den Personen in meiner Umgebung davon ein wenig abgeben, indem ich einfach meinen Optimismus mit der Welt teile. Dafür ist es für mich wichtig, eine Art „Gedankenhygiene“ zu betreiben, damit ich meinen guten Zustand pflegen kann. Ich schaue nicht fern, lese nur sehr selektiv Nachrichten, versuche möglichst die positive Absicht hinter den Verhaltensweisen meiner Mitmenschen zu sehen und versuche möglichst oft positiv über sie zu sprechen. Es klappt immer besser und das gibt mir eine resiliente Grundhaltung zu mir selbst und der Welt.

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